In der georgischen Literatur eingegangen

Gaga Shurgaia u.a. (Hg.), Nik’oloz Baratašvili. Ein georgischer Dichter der Romantik, Königshausen & Neumann 2005, 24,80€.
Kennen sie Barataschwili? Ja eben! Ich bin im Prinzip ja für jeden Versuch, dem deutschsprachigen Leser auch die eher vernachlässigten Bereiche der Weltliteratur nahezubringen, aber alles lass ich mir ja auch nicht gefallen. Wenn das, was uns hier geboten wird, die Blüte der georgischen Romantik ist, kein Wunder das die Kanzlergattin Sophia seinerzeit, wie auf S. 117 berichtet wird, “in der georgischen Literatur als Georgische Mutter eingegangen ist”. Fatal.
Aber im Ernst: Wenn ein hierzulande unbekannter Dichter aus einer hierzulande unbekannten Literatur so schlunzig veröffentlicht wird, schadet das dem Ansehen dieser Literatur. Dabei kann Nikolos Barataschwili natürlich nichts für Hans-Christian Günthers schauderhafte Hinterherdichtungen und galoppierende Jamben; um mit dem Nachdichter zu sprechen: “’s ist wie die Nachtigall, hört man ihr Lied/wenn man sie eingesperrt im Käfig sieht.” Angesichts dieser Übersetzungen fällt es schwer an die von Frau Sauna beschworene Wortgewalt des Originals zu glauben. Aber damit nicht genug: Jede Seite in diesem Machwerk läuft über von Rechtschreib- und Grammatikfehlern und die Kommata sind per Zufallsgenerator gesetzt worden. Drei Herausgeber haben an diesem Buch gearbeitet und noch mehr an der Reihe “Texte und Studien zur Literatur des griechisch-orientalischen Kulturrraums” in der dieser Band erschienen ist. Einmal Korrekturlesen hätte doch da noch drin sein müssen. Vor nicht allzu langer Zeit war Nikolos Barataschwili ein Buch mit sieben Siegeln. Jetzt ist “Nik’oloz Baratašvili. Ein georgischer Dichter der Romantik” ein Buch mit sieben verhunzten Nachreimereien und 7000 Fehlern.

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