Buddy Hollys Pillen

Wolfgang Welt, Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe, Suhrkamp 2006, 15 €
Während die Feuilletons der Zeitungen, die so etwas tatsächlich unterhalten, spätestens seit Siegfried Unselds Tod mindestens monatlich darüber berichten, wie der Suhrkamp Verlag sich mit sich selbst beschäftigt, kommt der Suhrkamp Verlag selbst erfreulicherweise auch noch dazu, das zu tun, was eigentlich seine Aufgabe ist: Bücher zu veröffentlichen, in denen sich wer anders mit sich selbst beschäftigt. In diesem Fall der Nachtpförtner des Schauspielhauses Bochum. Der heißt Wolfgang Welt und hat in den frühen Achtzigern die deutsche Musikpresse vollgeschrieben, bis er es im Kopp gekriegt hat und eingeliefert wurde. Diesen Werdegang inkl. Krankheitsgeschichte beschreibt er in drei autobiographischen Romanen, die den Großteil dieses Buches ausmachen. Der Rest ist verstreut veröffentlichter Kleinkram.
Wenn man aus Bochum kommt und sich zumindest marginal an die Achtziger erinnern kann, hat dieses Buch seinen Reiz, weil man Orte und Personen wiedererkennen kann und die Einschätzungen des Autors mit eigenen Erfahrungen abgleichen kann. Zum Teil eröffnet sich sogar die tröstende Erkenntnis, daß bestimmte Kneipen ihre Serviceschwäche nicht erst eingeführt haben, als man selbst begann, sie zu frequentieren. Ob sich dieser Reiz auch geographisch oder altersmäßig nicht kompatiblen Lesern erschließt, ist nicht ohne weiteres vorauszusetzen.
Stilistisch gelungener als die Romane ist der leider nur acht Seiten lange Text “Kalter Bauer in Bochum”, der fast ausschließlich wörtliche Rede beinhaltet, und zwar im Gegensatz zu den Romanen auch orthographisch an die tatsächliche Mundart angepasst.

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