O’Brien Reloaded

Der Kein & Aber-Verlag ist hier zu loben. Aufs Höchste. Weil er nämlich daran gegangen ist, die Werke Flann O’Briens wieder zu veröffentlichen, in den eigens zu diesem Zwecke überarbeiteten Übersetzungen Harry Rowohlts. Diese Aufgabe ist nun zur Hälfte erfüllt, teilweise unter Zugabe erläuternder Tondokumente. Aus Dalkeys Archiven (18 €) widerlegt die von allen namhaften Literaturwissenschaftlern geteilte These, James Joyce sei am 13. Januar 1941 in Zürich gestorben, indem es ihn als Wirt einer Dubliner Vorstadtkneipe aufspürt, der eine wie auch immer geartete Mitwirkung an oder gar eine Verantwortung für ‘Finnegans Wake’ rigoros abstreitet. Außerdem tritt ein entweder absolut genialer oder abgrundtief verrückter Universalgelehrter namens De Selby auf, dessen Thesen schon in ‘Der dritte Polizist’ behandelt wurden und der hier im Besitz einer Apparatur ist, mit der er alles Leben der Erde vernichten kann, die er aber zuerst einmal benutzt um in einer submarinen Höhle theologische Dispute unter anderem mit Augustinus zu führen.
Auf Schwimmen-zwei-Vögel (19 €) ist O’Briens erster und bekanntester Roman. Protagonist ist ein Dubliner Student mit der Neigung, literarische Werke zu beginnen und die entsprechenden Figuren einzuführen und dann auf halbem Wege die Lust oder den Faden zu verlieren und das Fragment beiseite zu legen. Die so zur Untätigkeit verdammten Personen schließen sich zusammen und schmieden Pläne gegen ihren Schöpfer. Diesem Buch hat Harry Rowohlt neben seinen translatorischen Talenten auch seine Stimme geliehen und damit ganze 8 CDs vollgesprochen (49 Euro).
Trost und Rat (16 Euro) versammelt eine viel zu kleine Auswahl aus dem Fundus der Kolumnen, mit denen O’Brien jahrelang die Irish Times usurpiert hat. Darin befindlich auch der Entwurf eines schönen Services für die allzu große Schicht wohlhabender und gleichzeitig unendlich dummer Menschen, in dessen Rahmen die Kunden eine fachmännisch zerlesene Bibliothek erwerben können, die dem Betrachter erzeigt, wie belesen der entsprechende Besitzer sei, ohne daß dieser sich selbst Mühen der Lektüre unterwerfen muß, ja sogar ohne daß er lesen lernen muß.
Dieser Komplex findet sich auch auf der CD Harry Rowohlt liest Flann O’Brien (17,50 Euro), auf der sich auch ein Text findet, bei dem Harry Rowohlt Harry Rowohlt liest, ein Bericht über einen Besuch auf der Shannon-Insel ‘Schwimmen-zwei-Vögel’.
Durst und andere dringende Dinge (17,50 Euro) präsentiert weitere kleinere Texte O’Briens, darunter das Drama ‘Faustus Kelly’, daß am 25. Januar 1943 im Abbey Theatre in Dublin uraufgeführt wurde, sowie den Sketch ‘Durst’, in dem Gäste und Wirt einen auf die Polizeistunde insistierenden Beamten schwindlig und durstig sabbeln. Das schafft Harry Rowohlt natürlich ganz alleine, er sabbelt sich selbst schwindlig und ist dabei durstig.

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