Kurz nach vier hat der Brenner doch noch mit dem Nachdenken aufgehört.

Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott, dtv 2011, 8,95 €
Das muß man auch erst mal können: den Erzähler rausschreiben und dann trotzdem weiter erzählen lassen. Weil er vielleicht tot, aber nicht ruhig zu kriegen ist. Und der Brenner als solcher war ja sowieso nicht wirklich weg, weil es zusätzlich zu Brennerbüchern auch Brennerfilme gibt, die zwar heißen wie Brennerbücher, aber inhaltlich nur marginal mit jenen zu tun haben.
Der Brenner also hat einen festen Job, als autofahrender Kindsbetreuer, alldieweil das arme Kind zwischen den Eltern und also zwischen München und Wien pendeln muß. Dann wird er erst das Kind los, dann der Kindsentführung verdächtigt und dann den Job los. Und dann, man ahnt es, geht er auf Kindssuche und stößt damit mehr Ent- und Verwicklungen an, als er verhindert oder aufklärt. So wie eigentlich in jedem Brennerbuch bislang. Und weil man sich zwischen München und Wien auch in der Mitte treffen kann, trifft man sich gern mal in Kitzbühel, auch um in geschäftsfreundlichem Kreis zweifelhafte Abendgestaltungen zu unternehmen. Oder eben auch gutgehende Geschäfte zu belobigen und schlechtgehende Geschäfte zu beendigen. Und sei es im Abwasser.

Da ist eine Partie zusammengekommen, wo man fast sagen muss, ein kleines Kunststück, dass man eine Scheißegrube qualitativ noch verschlechtern kann.

Aber es trifft ja die Richtigen. Und den Brenner, das auch zuverlässig in jedem Brennerbuch, in jedem Brennerfilm. Gesetz der Serie halt. Und in den Sonnenuntergang reitet er zuverlässig mit Damenbegleitung.

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