Typisch

Ralf König, Prototyp, Rowohlt 2008
Ralf König, Archetyp, Rowohlt 2009
Ralf König, Anityp, Rowohlt 2010

Erstaunlich, wie ermüdend Provokation manchmal sein kann.
Denn es spricht ja nix gegen Religionskritik. Oder Bibelkritik. Und es spricht auch nix gegen ein re-telling biblischer Geschichten, ein vom Text abweichendes Nach- und Neuerzählen.
Unredlich ist es, aus dem, was man gerade bewußt und explizit anders als der Text erzählt hat, Rückschlüsse oder Folgerungen zuungunsten des Textes abzuleiten. Wenn laut Bibel Noah ein töfter Kerl war, der als Einziger aufgrund seiner Töftigkeit nicht untergehen soll, dann ist das die eine Geschichte – die man kritisieren kann. Oder man erfindet einen Parallelnoah, der ein talibanesker Irrer ist, und der den eigentlich eher indifferenten Gott zur Sintflut nötigt – was als Parallelfiktion unterhaltsam oder auch instruktiv sein kann.
Aus dem, was man gerade im Widerspruch zum im Text Gesagten erfunden hat, sollte man aber keine Argumente gegen den Text ableiten.
Gelungener ist der dritte Teil der Trilogie, der sich mit Paulus beschäftigt und sich dabei tatsächlich mit dem, was Paulus gesagt und geschrieben hat, auseinandersetzt. Daß der Autor dabei großen Anstoß an Paulus‘ Meinung zur Homosexualität nimmt und diese deswegen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt ist zwar etwas einseitig, aber vertretbar.
Eine wirklich provozierende, argumentative Auseinandersetzung mit Kritikwürdigem wäre sicher spannender, wäre aber wohl von einem Comic zu viel verlangt.